Werbung und Whisky

In der Werbung gibt es ein kommunikatives Grundgesetz, es lautet: Fass dich kurz. Nur dann bist du verständlich. Um diese Kolumne zu erklären muss ich aber etwas ausholen und die GANZE Geschichte erzählen. Ich bitte um Nachsicht.

 

Seit weit über drei Jahrzehnten arbeite ich als Geschäftsführer einer Werbeagentur in der Kommunikationsbranche, hatte also viel Zeit um es zu lernen. Leider setzt nach so langer Zeit ein gewisser Gewohnheitsfaktor ein, den man selbst nur sehr schwer erkennt. Anfangs macht man alles selber, dann denkt man, man müsse alles beaufsichtigen. Erst sehr spät kommt die Erkenntnis: Meine vielköpfige Mannschaft kann das genauso gut wie ich selbst. Vielleicht sogar besser.

 

Also wird man milde und mit verdrehten Augen bei der Zwischenvisite der Projekte von den Mitarbeitern geduldet, man bekommt zu verstehen, dass der Laden läuft, auch wenn man nicht da ist. Das wird sogar noch schlimmer, irgendwann bekommt man gesagt, dass der Laden läuft, OBWOHL man da ist.

 

Das ist ein gewisser Schock für einen alten Sack wie mich, hält man sich doch für erfahren, für unersetzlich und sieht sich als väterlicher Mentor der jungen Mitarbeiter. Doch wenn diese, unterstützt durch MEINEN Freundeskreis, mir immer wieder nahelegen, ich solle mir doch zum Ausgleich zu meiner verantwortungsvollen Aufgabe im Laden ein Hobby zulegen, dann bedeutet das eigentlich nur durch die Blume: Geh uns bitte nicht auf die Nerven und lass uns unsere Arbeit tun.

 

Nun gut, da ich gottlob (noch) nicht an Altersstarrsinn leide, habe ich vor vielen Jahren schon mit dem Golfsport begonnen. Habe diesen leider aus mangelnder Lust an Wiederholung und Übung wieder an den Nagel gehängt. Squash ist zu verletzungsintensiv, Wandern langweilt mich. Tennis ist prima, das spiele ich heute noch gern. Ist aber auch nicht wirklich Freizeit füllend. Ich könnte mir eine Modelleisenbahn zulegen, finde ich aber doof. Es gibt einfach kein geeignetes Hobby für mich. Und im Job bin ich nur noch vonnöten wenn es wirklich eng wird und sehr komplizierte Kunden oder Aufgaben an uns herangetragen werden. Also was tun? Was macht ein Werber wenn er alt wird? Darüber habe ich mir ja schon mal Gedanken gemacht

 

Eines schönen Tages vor etwa zwei Jahren sitze ich mit meinem Freund Andreas (ist wohl ein Sammelbegriff unserer Generation) abends auf seiner Terrasse und wir retten mal wieder die Welt – wie so oft. Er ist auch ein alter Werber und fast ebenso lange dabei wie ich es bin. Er ist auch Geschäftsführer einer Werbeagentur. Das Gespräch dreht sich in die Richtung, was Werber also machen wenn sie alt werden. Er schenkt den dritten Dram feinsten Scotch in unsere Gläser, nach dem Glendronach und dem Benriach einen torfigen Ardbeg aus seiner Sammlung. Prost mein Freund, und... da schauen wir uns an und beide halten inne. DAS IST ES!

 

Wenn Unternehmern langweilig wird, dann machen sie ein weiteresUnternehmen auf. Uns fiel es wie Schuppen ins Glas, das ist es, wir machen einen Whisky-Laden auf. Drei Drams später steht der Busninessplan und jeder von uns weiß, was zu tun ist. Heute, keine zwei Jahre später, betreiben wir den umfangreichsten und bestsortiertesten – gemessen an Scotch Single Malt Single Cask Whisky - Whiskyladen der Region Hannover, er heißt Weltfein. Einen Teil unserer Werbeagentur im Erdgeschoss haben wir zum Ladengeschäft umgebaut, es wurde sowieso nicht mehr dringend benötigt, denn die großen Drucker haben wir längst abgegeben. Online ist günstiger als selbst drucken. Wir haben diesen Teil liebevoll eingerichtet und eine neun Meter lange, kracheichene Tasting-Tafel aufgebaut. Daran verköstigen wir dieses Jahr mehr als 1.000 Liebhaber des feinen schottischen Lebenswassers.

 

Und die Moral von der Geschicht’? Unternehmer haben was am Kopf, Werber sogar noch mehr. Während Arbeitnehmer sich langsam auf die Rente vorbereiten, überlegen sich Unternehmer, was sie sonst noch so unternehmen können. Das Ergebnis ist, ich arbeite statt vorher 40 Stunden nun locker 60 oder mehr. Und bin wesentlich entspannter als vorher. Es macht mich zufrieden, es macht mir Spaß, es ist wohl irgendwie mein Hobby geworden.

 

Meine Mitarbeiter freuen sich übrigens darüber, ich gehe ihnen nicht mehr so oft auf die Nerven.

 

Slainte mhath, euer Welfenschlingel